900 Jahre alter Schatz in der Wiener Malteserkirche entdeckt

„Zu Beginn des 14.Jahrhunderts errichtet, überdauerte das gotische Dachwerk der Malteserkirche 700 Jahre lang unbemerkt alle Stadtbrände, Kriegsereignisse und Bautätigkeiten im Zentrum von Wien. Hanna A. Liebich (Bundesdenkmalamt) und Michael Grabner (Universität für Bodenkultur) berichten von seiner Entdeckung“, und zwar in der Zeitschrift „Die Malteser - Der Sourveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich“, Ausgabe 1/2018.

Die Bäume, die für den Dachstuhl verwendet wurden, sind sogar noch älter und stammen aus dem 11. Jahrhundert. Für die Fachleute ist die Entdeckung des Alters der Dachkonstruktion eine Sensation, hatte man doch bisher angenommen, der Dachstuhl stamme aus dem 19. Jahrhundert. Erst im Zuge der Arbeiten am „Dachkataster Wien“ wurden die Baupläne genauer unter die Lupe genommen, und der Lokalaugenschein sowie die dendrochonologische Untersuchung brachten dann Gewissheit: Der Dachstuhl der Malteserkirche wurde im 14. Jahrhundert gebaut und ist damit einer der ältesten bekannten Dachstühle.

„Ein Dachwerk mit einem Alter von 700 Jahren stellt für Wien eine Sensation dar“, sagt Michael Grabner im Interview. „Älter ist nur der Dachstuhl der Salvatorkapelle im Alten Rathaus.“ Und Hanna Giebich fügt hinzu: „Am Beginn des Projekts haben wir kaum zu hoffen gewagt, Dächer aus der Zeit vor dem Barock zu finden. Wir können nun aber die Entwicklungsgeschichte der Dachwerke über ganze sieben Jahrhunderte nachzeichnen. Und am Beginn dieser Geschichte steht ein ganz eigener Wiener Typus, der sich in der Malteserkirche in beeindruckender Größe und Vollständigkeit erhalten hat.“ Derzeit wird der Dachstuhl von Studierenden der Technischen Universität Wien genau vermessen und nach besonderen Konstruktionsmerkmalen hin untersucht.

Quelle: Die Malteser, 1/2018, S. 48, Artikel von Katharina Stögner

 

 

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