Alles, was uns heilig war?

Abt Reinhold Dessl, Judith Wimmer, Ines Weber, Klaus Birngruber, Petrus Bayer

Unter diesem Motto veranstaltete der Verein für Linzer Diözesangeschichte www.dioezesangeschichte.at am 28. September 2018 ein kleines Symposium über Reliquienverehrung in Geschichte und Gegenwart. Unter den Referenten war auch Herr Petrus Bayer vom Stift Schlägl, Stiftsarchivar und –bibliothekar und ein promovierter Historiker. Er sprach über Heiligenverehrung und Reliquienkult in der Neuzeit und brachte einige interessante Beispiele aus seinem Heimatkloster.

Wie viele andere Kirchen und Klöster kam auch Stift Schlägl im 18. Jahrhundert in Besitz eines sogenannten Katakombenheiligen, also eines jener „heiligen Leiber“, die man in Rom aus den frühchristlichen Begräbnisstätten barg und die aus dem Martyrologium Namen erhielten. Im Fall Schlägls war es ein hl. Bonifatius, der von Rom über Passau, wo der Bischof eine Erlaubnis der Verehrung des Heiligen ausstellte, bis ins Stift geführt wurde. Er war allerdings nicht für die Stiftskirche und die Volksverehrung gedacht, sondern gehörte zur Ausstattung des neuen Prälatorenoratoriums, war also Teil der Privatfrömmigkeit des damaligen Abtes. Erst als in der Region eine Seuche ausbrach, wurde der Schrein des Katakombenheiligen in der Kirche ausgesetzt, damit er als Fürbitter vor Gott die Plage abwenden möge. „Die Seuche ging vorüber, aber dafür wurde der Abt krank …“, berichtete H. Petrus.

Prof. Ines Weber, Kirchenhistorikerin von der Katholischen Privatuniversität Linz, referierte über die Grundlagen der Heiligen- und Reliquienverehrung. „Im neustestamentarischen Verständnis ist die christliche Gemeinde eine Gemeinschaft der Heliigen“, der Zeugen des Wortes Gottes, die in seiner Nachfolge leben. Das ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes martys“, erklärte Weber. Dann verengte sich der Begriff aber auf die Blutzeugenschaft, die Märtyrer wurden an ihren Gräbern geehrt. Totenkult gibt es in vielen Kulturen, im Christentum verbindet sich die Heiligenverehrung mit den besonderen Jenseitsvorstellungen und der Auferstehung des Fleisches.

Abt Reinhold Dessl vom Zisterzienserstift Wilhering berichtete über die Neugestaltung der Pfarrkirche Eidenberg in Oberösterreich im Jahr 2015. Der Kirchenraum wurde unter anderem mit einem neuen Altar ausgestattet, der nicht nur mit den Ursprungsreliquien versehen wurde (Hl. Donatus). Der Altar enthält zudem die Professurkunde von Abt Bernhard Burgstaller, der 1886 in Eidenberg geboren wurde. Seine Amtszeit als Abt von Stift Wilhering fiel in die Zeit des NS-Regimes. Nach seiner Verhaftung ist er 1941 im Gefängnis Anrath bei Krefeld gestorben.
„Die Professurkunde von Abt Bernhard Burgstaller erinnert an die Lebensweihe an Gott durch die Ordensgelübde und schlägt eine Brücke zur heutigen Welt“, schildert Abt Reinhold, „wir brauchen Bindeglieder zur Welt Gottes!“

Farbbalken