Barockes Gewächshaus wird Veranstaltungsraum

Feigenhaus, Stift Kremsmünster

Es bietet Platz für fast 300 Personen, aber eine Heizung hat es nicht: Das Feigenhaus im Klostergarten von Kremsmünster wurde restauriert und kann von Veranstaltern gemietet werden. Für Konzerte und Lesungen im Sommer bietet diese gartenbauarchitektonische Besonderheit – es ist eines der ältesten Formen eines Gewächshauses – den idealen Rahmen.
„1638-40 wurde das Feigenhaus erbaut und 290 Jahre (bis 1929) in seiner ursprünglichen Form genutzt. In Italien angekaufte Feigenbäume waren in den offenen Erdboden ausgepflanzt. Die in Kremsmünster kultivierten und geernteten Feigen waren sehr beliebt und fanden großen Absatz auf den lokalen Märkten in Linz, ja sogar bis nach Wien. Das Feigenhaus gehört zum Bautyp des abschlagbaren (abbaubaren) Gewächshauses, d.h. dem Haus wurde im Spätherbst eine zerlegbare Dachkonstruktion aufgesetzt, die im Frühjahr wieder „abgeschlagen“ wurde. Die sonnseitigen Fassaden waren in große, von Steinpfeilern gefasste Fensterfelder gegliedert, die im Sommer vollständig geöffnet und über Winter mit großen Holzfenstern und -läden geschlossen wurden.
Die Nordwest- und Nordostfassaden waren als feste Wände ausgeführt. Zwei Tonkachelöfen temperierten im Winter den Raum. Diese Form des Gewächshauses entwickelte sich im 16. Jahrhundert in Europa und fand im 17. Jahrhundert besondere Verbreitung, was für die Entwicklung der Kultur exotischer, nicht winterharter Gewächse von großer Bedeutung war. 1929 wurde es eingedeckt, da der aufwendige Auf- und Abbau der Holzkonstruktion nicht mehr rentabel war. 1949/50 wurde es zum Wohnhaus umgebaut und in Vorbereitung zur Landesgartenschau 2017 wieder auf seinen ursprünglichen Bautyp rückgebaut.“ (Quelle: ABTEI NEWS NR. 169 | 22. MÄRZ 2018)

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