„Bilder archivieren. Wie, womit und weshalb?“: Rückblick auf die Jahrestagung der Ordensarchive am 8./9. April 2019 in St. Pölten

Am 8./9. April 2019 fand die Jahrestagung der ARGE Ordensarchive in St. Pölten statt. Thema der Tagung war „Bilder archivieren. Wie, womit und weshalb?“. Es haben sich insgesamt 46 TeilnehmerInnen eingefunden, um etwas über den richtigen Umgang mit Bildern aller Art (Fotos, Dias, Foto-Glaspatten, Negative, Digitalfotos) zu erfahren, insbesondere über deren Lagerung, Erschließung, Aufbereitung und Archivierung. Neben einigen ExpertInnen, die Vorträge hielten, berichteten auch VertreterInnen verschiedener Ordensgemeinschaften über ihre Erfahrungen aus der Archiv-Praxis.

Die Tagung begann mit der Begrüßung durch Karin Mayer, Leiterin des Referats für die Kulturgüter der Orden, und Gerald Hirtner, Vorsitzender der ARGE Ordensarchive und Archivar der Erzabtei St. Peter (Salzburg).

Den Eröffnungsvortrag hielt Ralph Andraschek-Holzer, Leiter der Topografischen Sammlung der NÖ Landesbibliothek zum Thema: Bilder archivieren. Bewertung und Vorbereitung, Erschließung und Nutzung. Dabei führte er aus, dass eine physische Zusammenführung der einzelnen Bildersammlungen (alte Ansichten, Fotos, Dias, Glasplatten, etc.) oft nicht möglich und aufgrund der unterschiedlichen klimatischen Anforderungen der Trägermaterialien oft gar nicht ratsam sei, dass aber zumindest eine virtuelle Zusammenführung möglich sei. Um die Zusammenhänge zu dokumentieren, könne in der Verzeichnung zum Beispiel mit Querverweisen, etwa auf sachverwandte Unterlagen (z.B. Akten über den Bilderwerb oder die Schenkung, Rechnungen, Akten über erfolgte Restaurierungen) oder mit Anmerkungen (etwa Hinweise auf den Aufbewahrungsort der Originale, auf Veröffentlichungen oder Adaptationen der Bilder) gearbeitet werden.

Berichte aus der Praxis: „Die Technik ist nicht das Problem!“

Danach haben VertreterInnen folgender Ordensgemeinschaften Erfahrungsberichte aus ihrer Praxis gegeben:
Robert Passini (Salvatorianer, Wien) betonte die Wichtigkeit der gleichen Struktur von digitaler und analoger Ablage (Zitat: „Die Technik ist nicht das Problem!“). Da Bilder große Datenmengen produzieren, erfolgt die Ablage und Sicherung bei ihm auf einem NAS-System. Nur eine kleine Auswahl der Fotos wird nachbearbeitet, denn sie stellen eine wichtige Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit des Ordens dar. Bei vielen alten Fotos ist die Herkunft unklar, weshalb sie einen eigenen Bestand bilden.

Sr. Illuminata Blümelhuber (Kreuzschwestern Wels) verwahrt in ihrem Provinzarchiv ebenfalls analoge sowie digitale Fotos. Ihre Arbeitsweise besteht darin, analoge Fotos in Chroniken, Alben und Mappen zu belassen, sofern die Materialien „einigermaßen archivgerecht“ sind. Lose Fotos werden nach Motiven geordnet und in archivfähigen Fotohüllen und Kartons gelagert. Die Verzeichnung erfolgt mittels Excellisten. Für Digitalfotos verwendet Sr. Illuminata die Windows Fotogalerie 2012, diese wird aber vom Hersteller nicht länger technisch unterstützt.

P. Andrzej Danilewicz SVD (Steyler Missionare) präsentierte die von ihm aufgebaute Fotodatenbank der Steyler Missionare namens „Photo Mission World“ (svdphotos.org). Er zeigte den Aufbau der Datenbank in mehrere Kategorien und die Identifikation (Benennung) der Fotos. Im Hinblick auf die Technik rät auch er zu einer kongruenten Ordnung und Benennung der Fotos im Internet und auf der Festplatte. Auch er findet, dass Fotos eine enorme Bedeutung für die Öffentlichkeitsarbeit des Ordens zukommt.

Monika Slouk (Pressesprecherin der Steyler Missionare) referierte über ihre ethischen Prinzipien, also den „Code of Conduct“ bei der Verwendung von „fairen“ Fotos für die Öffentlichkeitsarbeit und im Fundraising (Respekt; Subjekt, kein Objekt; Stimmigkeit, Echtheit; Ehrfurcht; Datenschutz; Diskretion). Sie plädierte dafür, bei der Archivierung von Fotos daher möglichst viele Informationen mitzuarchivieren: Name der abgebildeten Person, des Fotografen, den Kontext, aus dem das Bild stammt und welche Geschichte es erzählt sowie die Zustimmungsgrad zur Veröffentlichung oder Verwendung).

Angelika Kölbl (Stift Göttweig) präsentierte das 2018 begonnene Fotoprojekt im Stift Göttweig. Dabei sollen die im Stiftsarchiv befindlichen rund 5000 Papierfotos und rund 1300 Glasplattenfotos aus dem 19. bis zum 21. Jh. digitalisiert, erschlossen und archivgerecht umgelagert werden. Dabei wird nach Prioritäten vorgegangen, wobei die Bilder über Göttweig (Gottvicensia) Vorrang haben.

Maximilian A. Trofaier (Schottenstift Wien) berichtet über seine Erfahrungen bei der Anlage einer Bildersammlung. Er stellt seine (im Aufbau befindliche) Ablagestruktur für Bilder vor und weist auf einige Herausforderungen im Umgang mit den Fotos hin: eine Ordnung nach Provenienz ist oft nicht möglich, da für viele Bilder keine Hintergrundinformationen (mehr) vorliegen; außerdem gibt es gerade bei Bildern große Überschneidungen mit anderen Beständen (z.B. Nachlässen), so dass zuerst eine Übersicht über alle vorhandenen Bestände gegeben sein muss. 

P. Ludwig Wenzl OSB und Dominika Kalteis (Stift Melk) präsentieren ihre Arbeiten an der Fotosammlung im Stift Melk, mit denen sie die Defizite der alten Ordnung, nämlich das „Suchen, aber Nicht-Finden“ abbauen wollen. Sie haben ein neues Ordnungssystem entworfen, das eine Unterteilung der Fotosammlung in Nachlässe, Stiftsdokumentation und Varia umfasst. Bei der Bearbeitung werden die Fotos auch gleich in archivfähige Hüllen und Kartons umgelagert.

Gemeinsamkeit stärkt

Bei diesen Erfahrungsberichten zeigte sich, dass die vorgestellten Ansätze zwar sehr unterschiedlich sind, aber die Herausforderungen für alle Ordensgemeinschaften oft sehr ähnlich sind:
- die oft ungeklärte Herkunft und verlorengegangene Provenienz-Zusammenhänge vieler Bilder;
- die unterschiedlichen klimatische Anforderungen der einzelnen Materialarten der Bilder (Fotos, Glasplatten, Dias, Ansichtskarten)
- das Nebeneinander-Existieren von analogen Bildern und digitalen Fotos
Der Austausch über diese Herausforderungen war für alle TeilnehmerInnen fruchtbar, und viele waren erleichtert festzustellen, dass sie nicht allein sind mit ihren Problemen. Es lohnt sich immer, bei Fragen und Unsicherheiten Kontakt mit den KollegInnen in anderen Ordensgemeinschaften aufzunehmen und sich nach deren Erfahrungen und Lösungsansätzen zu erkundigen.

Im Anschluss daran zelebrierte P. Peter van Mejil SDS (Salvatorianer, Wien) die Vesper, für die Sr. Eva-Maria Kremshuber die Texte und Lieder vorbereitet hatte. Beim gemeinsamen Abendessen gab es viel Gelegenheit zum fachlichen Austausch.

Den anschließenden Abendvortrag hielt Kurt Kaindl (Leiter des Fotohof-Archivs, Salzburg). Er präsentierte den „anderen Blick auf das Archiv“, indem er die künstlerische Nutzung von Fotosammlungen thematisierte.

Bilder richtig „be-greifen“

Der zweite Tag begann mit der – wieder von P. Peter van Mejil SDS zelebrierten – Frühmesse. Danach präsentierten Ilse Entlesberger und Christa Gattringer (NÖ Landesarchiv und NÖ Landesbibliothek) Grundlegendes zur Materialkunde von Fotos und gaben wichtige Informationen zur richtigen Konservierung und Lagerung. Sie wiesen darauf hin, dass vor allem Licht den Alterungsprozess von Bildmaterialien beschleunigen und irreversible Schäden verursachen würde. Sie empfahlen auch dringend, bei Analog-Fotos mit Handschuhen (etwa aus Baumwolle oder Kunststoff) zu arbeiten, um Fingerabdrücke auf Fotos zu vermeiden. Sie betonten außerdem, dass mit der richtigen Lagerung teure und aufwändige Restaurierungen vermieden werden könnten.

Im Anschluss daran gab es die Möglichkeit, das von Nora Pärr (Ursulinen, Wien) und von P. Ludwig Wenzl OSB (Stift Melk) mitgebrachte Anschauungsmaterial (Fotos, Dias, Negative) anzuschauen und ausführlich mit den ExpertInnen zu diskutieren. Dabei erhielten die TeilnehmerInnen wichtige Tipps für den richtigen Umgang mit ihren Bildern.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Exkursion in die Topografische Sammlung der NÖ Landesbibliothek, wo Ralph Andraschek-Holzer einige seiner besonders schönen Beispiele für Kloster- und Stadtansichten vorführte.

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