Gefunden

Bernhard Rameder und Daniel Frey mit dem gefundenen Inventar

Im Stiftsarchiv von Göttweig ist verschollen Geglaubtes wieder gefunden und Gestohlenes zurückgegeben worden.

Von einem Sensationsfund berichtet die Zeitschrift des Benediktinerstiftes Göttweig, der „Göttweiger“, in seiner aktuellen Ausgabe. In historischem Aktenmaterial im Münzkabinett fand der Historiker Thomas Wallnig ein Inventar der barocken Göttweiger „Kunst- und Naturalienkammer“.

Das Göttweiger Museion ist durch einen Stich von Salomon Kleiner aus dem Jahr 1744 sehr bekannt, die Abbildung wird oft als herausragendes Beispiel gezeigt, wie im 18. Jahrhundert Sammlungskabinette in den Klöstern eingerichtet worden sind. In der Ansicht der Göttweiger Kunst- und Naturalienkammer vermengt sich die die barocke Begeisterung für das Außergewöhnliche in der Tradition der „Wunderkammern“ mit frühaufklärerischer Systematisierung. Dass jetzt ein Inventar aus genau der Zeit der Anlage der Kammer gefunden wurde, ist für die Forschung sehr kostbar. Es wirft ein Schlaglicht auf das Kunst- und Wissenschaftsverständnis des Barock an der Schwelle zur Aufklärung.

Nicht verschollen, aber dem Archiv seit über 70 Jahren entwendet, waren Teile des wissenschaftlichen Nachlasses des Göttweiger Paters Gottfried Reichart (1821-1900). Der Nachlass wurde vom Kremser Stadtarchiv an das Stift Göttweig restituiert. Das Kloster wurde 1939 von den Nationalsozialisten enteignet und Archivalien, Bücher und Kunstgegenstände fortgeschleppt. So dürfte auch das Schriftenkonvolut, das die Mitarbeiter der Graphischen Sammlung und des Stiftsarchivs Bernhard Rameder und Angelika Kölbl dem Göttweiger Pater zuordnen konnten, nach Krems gelangt sein.

P. Gottfried Reichart war ein Forscher der Geschichte des frühen Buchdrucks. Er hatte 1853 sein Hauptwerk „Die Druckorte des XV. Jahrhunderts“ veröffentlicht. Seine akribischen Aufzeichnungen zur Inkunabelforschung kehren jetzt in das Stiftsarchiv heim.

Quelle: Der Göttweiger 2017/2

Farbbalken