Gottfried Undesser OFMCap. (1933-2017)

Gottfried Undesser OFMCap. (1933-2017)

„Zum ersten Mal begegnete ich Br. Gottfried am 1. April 2003 in Luzern. Manchen mag es erstaunen, dass dieses Treffen so präsent ist, dass es sich an einem konkreten Datum festmachen lässt. Mein Kollege Christian Schweizer, Provinzarchivar der Schweizer Kapuzinerprovinz, und ich hatten die Archivare und Bibliothekare der benachbarten Kapuzinerprovinzen erstmalig zu einem Workshop nach Luzern eingeladen. Damals war noch nicht absehbar, dass sich 2007 die Wiener und die Nordtiroler Kapuzinerprovinz zur Österreichischen Kapuzinerprovinz zusammenschließen werden und sich der gelegentliche Kontakt zu einem ständigen Austausch entwickeln wird. Bei den zahlreichen Klosterschließungen Wege für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Kulturgütern zu finden, war unser beider Anliegen. Dabei durfte ich stets von seinen Erfahrungen und seinem Wissen, das er als langjähriger Mitarbeiter in der Provinzleitung, Kustos der Kaisergruft und Provinzarchivar gesammelt hat, profitieren. Er hielt auch mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, wenn Dinge nicht so gelaufen sind, wie sie sollten. Gerne beriet er sich mit seinem Zwillingsbruder Br. Johannes, der am 4. März 2017 in Klagenfurt verstorben ist, und holte eine zweite Meinung ein. War Br. Johannes jemand, der gerne vor die Menschen trat und mit seinen Wanderausstellungen Leute begeisterte, geschah bei Br. Gottfried viel Arbeit im Archiv oder im Sekretariat unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit. Früchte seines Wirkens waren unter anderem der jährliche Provinzkalender und der liturgische Kalender, die allen Brüdern in der Provinz zu Gute kamen und gemeinsam mit seiner Schwester Gertrud in Kleinstarbeit erstellt wurden. Und dabei durfte auch ich wieder etwas Wichtiges lernen: Sich immer einen Zeitpolster zu halten, damit, sollte einmal etwas Unerwartetes dazwischen kommen, man doch rechtzeitig mit allem fertig wird. Mit der neuen Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol wurde unsere Zusammenarbeit dann 2011 institutionalisiert und die Kulturgüterkommission unserer Provinz gegründet. Eines der größten Projekte war die Erstellung eines gemeinsamen Totenbuchs für die neue Provinz. Bewundernswert mit welcher Akribie und Genauigkeit Br. Gottfried, unterstützt durch Johannes und Gertrud, seine Aufgaben diesbezüglich für die ehemalige Wiener Provinz erledigte. Immer wieder fanden sich kleine Fehler, die der Korrektur bedurften, ehe das zwei Ringbücher umfassende Totenbuch im Dienste der Brüdergemeinschaft endlich fertig war. Er freute sich mit uns mit, wenn Mitbrüder ihr Lob zum neuen Behelf aussprachen. Br. Gottfried war sich auch nie zu schade, bei sogenannten „niederen“ Diensten mitzuhelfen, egal ob es das „Einsackeln“ von Aussendungen oder das Abtrocknen nach dem Essen war. Gerade zu diesen Zeiten und auch bei der Rekreation ergaben sich interessante Gespräche, die viele Eindrücke in seine Zeit als Kapuziner boten. Wenn Br. Gottfried einen lateinischen Aphorismus zum Besten gab, dabei wahrscheinlich entdeckte, dass seinem Gegenüber ein Fragezeichen im Gesicht stand, war man froh, wenn einem im Anschluss die deutsche Übersetzung mitgeliefert wurde.
Was bleibt ist Dankbarkeit, für all die Arbeit die Br. Gottfried für den Bereich der Kulturgüter unseres Ordens geleistet hat. Gleichzeitig liegt die Latte hoch, wenn es darum geht, seine Arbeit in diesem Sinne weiterzuführen und eine gute Lösung für das Provinzarchiv und die Bibliothek in Wien zu finden.“

Manfred Massani, Provinzbibliothekar der Kapuziner

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