Ordensfrauen bewahrten „Stille-Nacht-Kulturerbe“

Die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Oberndorf haben wesentlich dazu beigetragen, dass der ca. 150 Stück umfassende Figurenbestand der „Stille-Nacht-Krippe“ noch nach 200 Jahren erhalten ist.

In der St. Nikola Kirche in Oberndorf an der Salzach erklang im Jahr 1818 das erste Mal das weltberühmte Lied: „Stille-Nacht, Heilige Nacht…“. Wegen mehrmaliger Überschwemmungen und der daraus entstehenden Baufälligkeit wurde die Kirche 1913 abgerissen. Ein neuer Kirchenbau entstand und die alte Krippe (Kulisse und Figurenbestand) wurde den „ehrwürdigen Schulschwestern von Oberndorf“ geschenkt.

Der Ausdruck Schulschwestern war ein gängiger Ausdruck für Ordensfrauen, die sich der Pflege von Kindern widmeten. Mit den Schulschwestern von Oberndorf sind mit großer Wahrscheinlichkeit die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul gemeint, da 1853 von Kaiserin Carolina Augusta die Gründung eines Spitals („Schifferspital“) in Oberndorf angeregt wurde. Im Jahre 1870 kamen Barmherzige Schwestern von Salzburg/Mülln nach Oberndorf. Sie waren in einem kleinen Haus „St. Vinzenz Haus“ in der Nähe der Stille-Nacht-Kapelle untergebracht, die erste „Bewahranstalt“ der Barmherzigen Schwestern.
Die Krippe wurde im Dachboden der Ordensfrauen verwahrt und in Zeiten finanzieller Nöte erfolgte der Verkauf an eine Antiquitätenhändlerin aus Salzburg. Mit dem Erlös konnten die Kosten für einen neuen Gartenzaun erbracht werden.
Die weltberühmte Krippe landete schlussendlich in Ried im Innkreis, wo sie ganzjährig im „Museum Innviertler Volkskundehaus“ ausgestellt ist. Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums wurde der umfangreiche Figurenbestand von mir restauriert und neu aufgestellt, umgeben von alter und neuer Kulissenlandschaft.
Bei der feierlichen Einweihung und Segnung der restaurierten Krippe brachte die Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Ried und Direktorin des Museums Innviertler Volkskundehaus Dr. Sieglinde Frohmann ihre Freude zum Ausdruck: „Ich freue mich über das gelungene Restaurierungsprojekt und die neue wunderbare Aufstellung im Museum.“ Neben der einzigartigen Geschichte ist auch die Detailgenauigkeit der Krippe bemerkenswert. Figuren aus Wachs, Holz, Metall und Textil zeigen mehrere biblische Szenen eingebettet im Panorama der Berglandschaft von Oberndorf.

Aufgrund der neuen Leitungsaufgabe im Referat für die Kulturgüter der Orden war die Restaurierung der „Stille-Nacht-Krippe“ mein letztes Projekt aus selbständiger Tätigkeit - ein schöner und passender Abschluss mit Ordensbezug!

[km]

Literatur und Quellen:
-Johann Veichtlbauer, in: Ein Gang durch das Rieder Volkskundehaus. Ried: Pressvereinsdruckerei [o.J.]
-Clara Dederichs: Von der Bewahranstalt zum Kindergarten, Salzburg 1962
-Josef Mader: Die Oberndorfer Krippe im Rieder Volkskundehaus, in: Die Heimat. Heimatkundliche Beilage der Rieder Volkszeitung, Folge 240, Dezember 1979
-Carl Hans Watzinger, Clara Hahmann – neue Restaurierungsarbeiten, in: Jahrbuch der Innviertler Künstlergilde, 1979/80, S. 76-82

Farbbalken