Ostergrab von Stift Heiligenkreuz - Belebung der mittelalterlichen Tradition

Ostergrab Stift Heiligenkreuz

Sie waren schon fast verschwunden, doch seit einigen Jahren erleben sie eine Renaissance: Heilige Gräber haben zu Ostern in Österreich eine lange Tradition. Vor allem im Westen gibt es eine Fülle an Kirchen, die ein solches Ostergrab ins Zentrum ihrer Feierlichkeiten rücken. Ostergräber lassen sich bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen. Sie wollen uns das Leiden Christi, seine Grabesruhe und seine Auferstehung in eindrucksvollen Bildern näherbringen.
Im Stift Heiligenkreuz ist für das beginnende 18. Jh. ein Ostergrab bezeugt. Abt Robert Leeb (Regierungszeit: 1728-1755) errichtete in Erinnerung an seine Pilgerfahrt ins Heilige Land die barocken Kreuzwegstationen und ein Heiliges Grab, das in der gotischen Bernadikapelle aufgestellt wurde. Allerdings zerstörte ein Brand die Einrichtung der Kapelle und wohl auch das Heilige Grab. Durch Kaiser Josef II. wurde das Aufstellen von Ostergräbern verboten. Im Jahr 1798 wurde dieses Verbot aufgehoben.

Engel, Soldaten, bunte Kugeln

Wie zeigt sicht das Ostergrab heute dem Betrachter? Die zwei auf Karton gemalten Engelfiguren (Ende 17.Jh.) sind von hervorragender Qualität und gehören ursprünglich zu einem sogenannten Kulissengrab mit dazugehörender Scheinarchitektur. Sie halten jeweils eine Kristallkugel in der Hand. Die Illusion einer brennenden Flamme ist gewollt und vermittelt den Eindruck von Lebendigkeit.
Die beiden Soldaten (Leinwandbilder um 1900 - Hermann Nigg) scheinen das Ereignis der Auferstehung nicht so ganz mitzubekommen. Sie schauen schlaftrunken dem Betrachter entgegen.
Der eigentliche Grabbau besteht aus einem Lattengerüst, an dem Karton angebracht und entsprechend bemalt wurde.
Die mundgeblasenen Glaskugeln (neuzeitlich) sind mit gefärbtem Wasser gefüllt. Sie werden von hinten mit einer Lichtquelle angestrahlt.
Die Regenbogenfarben bedeuten die Treue Gottes zu uns Menschen. In der Mitte der Grabnische steht eine Kristallkugel, in die als Symbol für die Auferstehung goldgefärbtes Wasser eingefüllt ist.
Die Grabkugeln sind ein leuchtendes Element und verleihen dem Grabaufbau einen besonderen Akzent. Insgesamt sind sie ein barockes Bild für das Leben.

Revitalisierung - ein kultureller Auftrag für das Stift

Die vier Figuren waren jahrelang eingelagert. Die Revitalisierung, der durch Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogenen Kunstwerke (Figuren und Felsen), wurde durch einen fachkundigen Restaurator vorgenommen. Somit gehören die Sichtung, die damit verbundene Adaptierung und die Wiedererrichtung unseres Ostergrabes aus kunsthistorischer und volkskundlicher Sicht zum kulturellen Auftrag unseres Stiftes.

[Kustos P. Roman Nägele OCist]

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