"Wir essen das Brot, aber wir leben vom Glanz".

Elisabethinenkirche Klagenfurt

Der Gurker Diözesanbischof (und designierter Bischof von St. Pölten) Alois Schwarz betonte am 14. Mai 2018 in einem Gottesdienst mit Vertretern kirchlicher und klösterlicher Museen die Bedeutung von Kunst und Kultur in der Kirche und im Leben der Gläubigen. Er zitierte in seiner Predigt aus einem Gedicht von HIlde Domin: „Wir essen das Brot, aber wir leben vom Glanz“. Der Bischof verwies darauf, dass die Besonderheit der Sakralräume und ihre spirituelle Ausstrahlung der Kultur - der Architektur und künstlerschischen Ausstattung - geschuldet sind. Im künstlerschichen Ausdruck nimmt der Glaube Gestalt an.

Den Gottesdienst feierte Bischof Schwarz mit den 50 TeilnehmerInnen der Jahrestagung der „Arbeitsgemeinschaft der geistlichen Museen und Schatzkammern“. Zu dieser internationalen Tagung waren MuseumsdirektorInnen, DiözesankonservatorInnen und SammlungskustodInnen aus katholischen und evangelischen Einrichtungen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien und Ungarn gekommen. Vorbereitet wurde das reichhaltige Programm von P. Gerfried Sitar OSB, Bischofsvikar für Kunst und Kultur in der Diözese Gurk, und der Diözesankonservatorin Rosmarie Schiestl.

Am ersten Tag wurde die Kathedrale in Klagenfurt besichtigt, ein Gotteshaus, das während der Reformation als Bethaus der protestantischen Landstände errichtet, in der Gegenreformation den Jesuiten übergeben und schließlich Domkirche des bereits 1072 gegründeten Bistums Gurk wurde.

Nach einer Schiffahrt über den Wörthersee fuhr die Tagungsgruppe in das ehemalige Zisterzienserstift Viktring, in dem heute eine Schule untergebracht ist. In der Stiftskirche sind herausragende Glasfenster aus der Gotik erhalten.

Vor der Heiligen Messe mit Diözesanbischof Schwarz wurden die Kunstsammlungen der Elisabethinen angesehen. Die Schwestern wollten für ihr reiches kulturelles Erbe und für die Kunst, die sie ihrer Wohltäterin und Stifterin Erzherzogin Maria Anna verdanken, kein Museum errichten, weil ihre Identität im Klosterleben liegt, und haben sich daher dafür entschieden, ihren Kulturschatz durch ein Schaudepot der Forschung und interessierten Gästen zugänglich zu machen.

In der ehemaligen Residenz der Erzherzogin und Stifterin der Elisabethinen, die direkt neben Kloster und Hospital der Schwestern liegt, sind heute die Amts- und Wohnräume des Bischofs untergebracht. Dort wurde die Tagungsgruppe in Anwesenheit des Kärntner Landeshauptmanns Peter Kaiser vom Bischof empfangen. Da der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der geistlichen Museen, P. Claudius Wintz aus dem Stift Kremsmünster, krankheitsbedingt verhindert war, dankte die Stellvertretende Vorsitzende, Frau Birgitta Falk aus Aachen, für die großzügige Gastfreundschaft.

Der Vormittag des zweiten Tags wurden dem Dom und der Schatzkammer in Gurk gewidmet. Ein herausragendes österreichisches Kulturdenkmal sind die romanischen Fresken auf der Westempore des Doms. Das neue Diözesanmuseum wurde erst vor wenigen Jahren eröffnet. Die interessante und neuartige Ausstellungsgestaltung führte unter den Fachleuten zu angeregten Diskussionen.

Am Nachmittag wurde die Dominikanerkirche in Friesach besichtigt, die zwei Hauptwerke gotischer Kunst in Österreich beherbergt: die „schöne Madonna“ und das Friesacher Kruzifix. Die Dominikaner mussten das Kloster, das die älteste Gründung des Ordens im deutschsprachigen Raum ist, aus Mangel an Mönchen aufgeben und verkauften das Klostergebäude. Die Verhandlungen zur Übergabe der Kirche an die Diözese und die Erhaltung als Sakralraum gestaltete sich sehr schwierig, wie Bischofsvikar Sitar berichtete. Das Beispiel gab Anlass, bei der Tagung über den Verbleib des kulturellen Erbes aufgelassener Klöster zu sprechen.

Anschließend gab es eine Führung durch den Dom von Maria Saal, einem Zentralort der Christianisierung des alten Stammesherzogtums Karantanien.

Der Abend fand am Tagungsort im Stift St. Georgen am Längssee, einem ehemaligen Benediktinerinnenkloster und jetzigen Bildungshaus der Diözese, statt und war der zeitgenössischen Kunst gewidmet. P. Gustav Schörghofer, Wiener Künstlerseelsorger, war als Referent geladen und meinte zum Verhältnis von Kunst und Kirche: „Für mich ist nicht die Frage, ob es heute noch christliche Kunst gibt, sondern ob wir heutige Christen noch im Stande sind, heutige Kunst im christlicihen Sinn zu deuten“. Seit 200 Jahren gäbe es eine Ambivalnz in der Bedeutung einer Darstellung, so P. Schörghofer. Ein Gemälde von Kaspar David Friedrich, ein Standkreuz an der Ostsee zeigend, kann als religiöses Bild gedeutet werden, aber auch profan als Landschaftsbild. In der modernen Kunst ergäben sich, der künstlerischen Logik folgend, oft erstaunliche theologische Bezüge, so Schörghofer, und stellte temporäre Kunstprojekte in der Wiener Jesuitenkirche und in der Konzilsgedächtniskirche in Wien-Lainz vor, die er kuratiert hatte. Am gleichen Abend wurde eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst von Kärntner KünstlerInnen in St. Georgen eröffnet.

Am Vormittag des dritten und letzten Tags der Veranstaltuing, am 16. Mai 2018, besuchte die Tagungsgruppe das Kunstmuseum Liaunig im kleinen Ort Neuhaus. Es handelt sich um das Privatmuseen des Industriellen Herbert Liaunig, der einen imposanten Museumsbau für seine vielfältigen Sammlungen hauptsächlich moderner Kunst, aber auch von Briefmarken, afrikanischen Glasperlen und Bierkrügen aus Edelmetall, errichten ließ.

Am Nachmittag wurde das Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal besucht, das „Schatzhaus Kärntnens“, das sein herausragendes Kulturerbe zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dem ehemaligen Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald verdankt. Die dortigen Mönche mussten nach der Säkularisation ihr Kloster verlassen und siedelten sich im damals aufgelassenen Stift St. Paul an. Sie brachten unter anderem das älteste Buch Österreichs, eine Handschrift aus dem 5. Jahrhundert, mit.

Mit einer Besichtigung der revitalisierten barocken Basilika Maria Loreto in St. Andrä im Lavanttal, einem im 18. Jahrhundert errichteten Bischofssitz, der im 19. Jahrhundert nach Maribor verlegt wurde, endete das Programm der Tagung, die beim gemütlichen Beisammensein und Austausch endete.

Während die Gäste aus dem Ausland sämtlich aus diözesanen oder vergleichbaren kirchlichen Einrichtungen gekommen waren, waren unter den Österreichern die Stiftsmuseen gut vertreten. Der Typ des geistlichen Museums im lebendigen Kloster ist in Österreich einzigartig: die Klöster überliefern hierzulande einen guten Teil des kulturellen Erbes der Kirche.

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